Öffentlicher Dienst: Arbeitszeitgestaltung der Zukunft; Kommentar

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Von Christine Behle, stellvertretende ver.di-Vorsitzende

Öffentlicher Dienst: Arbeitszeitgestaltung der Zukunft

Die Arbeitswelt verändert sich rasant: Entwicklungen beschleunigen sich, Arbeitsprozesse werden immer intensiver, Stress und Hetze prägen häufig den Alltag. Das gilt auch für die Arbeitszeit im öffentlichen Dienst, zu der wir eine große Arbeitszeitbefragung unter den Beschäftigten durchgeführt haben. Die Ergebnisse der Umfrage machen deutlich, dass wir ein neues Kapitel aufschlagen müssen.

Den gewachsenen Herausforderungen versuchen die Beschäftigten heute vielfach über Teilzeit zu begegnen. Zugleich stellen die Unterschiede der Arbeitszeitdauer, das Mehr an Arbeit zu atypischen Zeiten sowie die Flexibilisierung und Fragmentierung der Arbeit aus ArbeitnehmerInnensicht eine Mischung aus Chancen und Risiken dar. Die Betroffenen versuchen, ihre Arbeitszeit irgendwie und eng an der persönlichen Situation ausgerichtet zu regeln. Wir müssen deshalb auch den Rahmen dafür überprüfen und ggf. anpassen, bspw. beim Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Neben dieser individualisierten Ausrichtung sind die Unterschiede in und zwischen den Bereichen des öffentlichen Dienstes eine Herausforderung. Klar ist, dass einheitliche Lösungen ohne differenzierte Gestaltungsoptionen den Beschäftigten aber auch Herausforderungen wie dem Fachkräftemangel oder Belastungssituationen nicht gerecht werden dürften. Hier setzen wir an.

Die Beschäftigten haben deutlich gemacht, wie wichtig ihnen mehr Arbeitszeitsouveränität ist: 92 Prozent der Befragten wollen selbst entscheiden, ob sie Zuwächse beim Entgelt in zeitliche Entlastung umwandeln können. Zu den Modellen gibt es unterschiedliche Vorstellungen – Verkürzung der Wochenarbeitszeit, zusätzliche freie Tage oder Gutschriften auf Arbeitszeitkonten. Welche Forderungen sich daraus ergeben, werden wir in den kommenden Monaten diskutieren. Ich bin mir aber sicher, dass in der kommenden Tarifrunde im öffentlichen Dienst neben dem klaren Ziel, die Einkommen zu verbessern, auch die Arbeitszeit eine Rolle spielen wird.

Arbeitszeit ist insgesamt ein wichtiger Faktor für die Attraktivität des öffentlichen Dienstes. Wenn wir schon mit den Einkommen in der Privatwirtschaft teilweise nicht mithalten können, sind die weiteren Arbeitsbedingungen umso wichtiger. Deshalb bleiben wir auch am Thema Arbeitszeit der BeamtInnen dran: Im Bund und einer Reihe von Ländern müssen immer noch 41 Stunden statt des tariflichen Niveaus geleistet werden. Die Erhöhung der Arbeitszeit war mit dem Versprechen verbunden, sie zurückzunehmen, sobald die öffentlichen Haushalte das ermöglichen. Nach mehreren Jahren der schwarzen Null ist das überfällig! 

Quelle: Beamten-Magazin 11-12/2019

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