Schuljahr zu Ende, Job weg; Kommentar

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Schuljahr zu Ende, Job weg

Keine Werbung für das Lehramt 

Von Elke Hannack, stellvertretende Vorsitzende des DGB

Jeden Sommer das gleiche Spiel: Die einen freuen sich über den Beginn der Sommerferien, die anderen werden in die Arbeitslosigkeit geschickt. Die einen fahren ans Meer, die anderen gehen auf’s Amt. Vor allem in einigen westdeutschen Bundesländern ist diese Praxis verbreitet: Angestellte Lehrkräfte erhalten einen befristeten Vertrag und werden pünktlich zu den Sommerferien entlassen. Zum folgenden Schuljahr werden sie in der Regel wieder eingestellt. Die Länder sparen sich das Gehalt, die Arbeitslosenversicherung zahlt die Zeche.

2018 bundesweit 9.102 Lehrkräfte arbeitslos gemeldet. Das sind einige tausend mehr als in den Monaten davor oder danach. In diesem Sommer werden die Zahlen ähnlich hoch sein. Und inoffiziell sind weitaus mehr betroffen, denn ein großer Teil meldet sich gar nicht beim Amt. In Baden-Württemberg zum Beispiel sind laut Landes-GEW zum Ferienbeginn die Verträge von fast 4.000 PädagogInnen ausgelaufen. Gleichzeitig wurden über 5.000 ReferendarInnen arbeitslos, deren Vorbereitungsdienst endete, welcher nicht wie in anderen Bundesländern die Sommerferien einschließt.

Die betroffenen Lehrkräfte sind mit Existenzängsten konfrontiert, teilweise über mehrere Jahre. Der Leistungsdruck erhöht sich, denn Befristungen wirken wie eine verlängerte Probezeit. Die Nach- und Vorbereitung des Schuljahres wird letztlich zu unbezahlter Mehrarbeit. Auch hier zeigt sich, dass der öffentliche Dienst beim Thema Befristung mit schlechtem Beispiel vorangeht. Das ist nicht akzeptabel. Gute Arbeit heißt unbefristete Arbeit – jahrelange Kettenbefristungen und sachgrundlose Befristungen darf es nicht geben.

Auch Rheinland-Pfalz war lange ein Problem. Doch seit kurzem ist vorgesehen, dass früher bis zum Beginn der Sommerferien befristet eingestellte Vertretungslehrkräfte nun bis zum Ende der großen Ferien Beschäftigte des Landes sind. Eine bessere Alternative ist jedoch, wenn jedes Bundesland einen ausreichend großen Vertretungspool mit festangestellten Lehrkräften installieren würde. Wenn etwa in Baden-Württemberg rund 6.000 Lehrkräfte dauerhaft vertreten werden müssen, reichen 1.666 Stellen in der ständigen Lehrerreserve natürlich nicht. Sie wie auch die Planstellen müssen aufgestockt werden!

Quelle: Beamten-Magazin 09/2019

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