Standards für Gute Arbeit in Wechselschichtdiensten; Gewerkschaften

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Standards für Gute Arbeit in Wechselschichtdiensten

Austausch beim DGB-Workshop

Schichtarbeit schlaucht, auch im öffentlichen Dienst. Unser Körper gewöhnt sich nicht an die Arbeit in der Nacht. Und auch Familienfeiern, Kino oder Sport sind mit Schichtdienst schwer vereinbar. Wie sieht ein Dienstplan aus, der die Beschäftigten weniger belastet? Welche Standards muss er mindestens erfüllen? Und was kann der öffentliche Dienst von Betriebsräten und Gewerkschaften lernen, die Schichtarbeit in der Industrie gestalten? Diese und weitere Fragen verfolgten ehrenamtliche VertreterInnen von EVG, GdP und ver.di in einem DGB Workshop.

Egal ob Polizei, Feuerwehr oder Stahlwerk: Wenn Gewerkschaften, Betriebs- und Personalräte Schichtpläne gesünder gestalten wollen, begegnen ihnen in verschiedenen Branchen ganz ähnliche Fragen und Fallstricke. Ein Blick über den Tellerrand lohnt sich deshalb, so der Grundgedanke des Workshops. KollegInnen der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und der IG Metall setzten Impulse für eine lebhafte Diskussion.

Freizeit wird wichtiger

Säfte und Limonaden werden rund um die Uhr abgefüllt, in Großbäckereien läuft der Ofen auch nachts. Die NGG widmet sich dem Thema Schichtarbeit vor allem dort, wo Lebensmittel produziert werden. Laut Peter Buddenberg aus der NGGZentrale in Hamburg will die Gewerkschaft erreichen, dass ein Schichtmodell so gut es geht zum Leben der KollegInnen passt. Dafür müssen ihre Wünsche und Erfahrungen einbezogen werden. Was das in der betrieblichen Praxis heißt, macht Mirko Röhricht deutlich. Er ist Gesamtbetriebsratsvorsitzender bei der Carl Kühne KG, wo die Auftragslage für die produzierten Saucen und Dressings gut ist. Der Markt brummt, deshalb sollen die Betriebszeiten verlängert werden. Die Arbeitszeit weitet sich auf die Nacht und das Wochenende aus. Die Folge: Der Betriebsrat verhandelt über die 34-Stunden-Woche und ein Schichtsystem, durch das man statt bisher 20 nur 17 Mal in den Betrieb muss. „Freizeit wird wichtiger“, so Röhricht.

Das neue Schichtsystem kommt gut an

Bei der IG Metall ist das ähnlich. Im letzten MuE (Metall- und Elektroindustrie)-Tarifabschluss wurde eine Wahloption zwischen einem Zusatzgeld und acht zusätzlichen freien Tagen für Schichtbeschäftigte erkämpft. 80 Prozent haben diese Option gewählt. „Wir waren überrascht, wie viele sich in den Betrieben für diese Option entschieden haben“, so die Gewerkschaftssekretärin Sophie Jänicke. Betriebsrat Marcel Riemer erklärt, dass bei ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt immer mehr Beschäftigte von der 35- zur 32-Stunden-Woche reduzieren (ohne Lohnausgleich), weil das neu ausgehandelte Schichtsystem gut ankommt. Wochenenden sind häufig frei und bei einer 32-Stunden-Woche entstehen zusätzliche fünf Freischichten pro Jahr.

Und was macht der öffentliche Dienst? Gute Arbeit im vollkontinuierlichen Schichtdienst ist mit Wochenarbeitszeiten von 40 oder mehr Stunden nicht möglich. Grund genug, dass sich das Schöneberger Forum am 19. und 20. November dem Thema Arbeitszeit annimmt. Planbarkeit, Selbstbestimmung, Entlastung! So lautet das Motto.

Quelle: Beamten-Magazin 04/2019

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