Gewerkschaften sind mehr gefordert denn je!; Kommentar

.

 

Gewerkschaften sind mehr gefordert denn je!

Von Elke Hannack, stellvertretende Vorsitzende des DGB

Aktuell größter Hemmschuh bei der Digitalisierung der Verwaltung ist die über Jahrzehnte gehende Sparpolitik. Es fehlt an Personal und Knowhow ebenso wie an der entsprechenden Hard- und Software. Und wenn dann vor dem Hintergrund der daraus folgenden Arbeitsverdichtung Digitalisierungsprojekte „von oben“ mit der Brechstange durchgesetzt werden, erhöht sich der Druck auf die Beschäftigten zusätzlich.

Die Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit 2017 zeigt, dass für etwa 63 Prozent der befragten Beschäftigten in der öffentlichen Verwaltung die Arbeit durch die Digitalisierung mehr geworden ist. Nur drei Prozent gaben an, ihre Arbeitsmenge sei geringer geworden. Das ist alarmierend. Dass die Umsetzung der Digitalisierung in deutschen Behörden stockt, verwundert da wenig.

Wie können wir also von den viel zitierten Chancen der Digitalisierung profitieren? Die Digitalisierung, egal ob in Unternehmen oder Verwaltung, wird nur dann erfolgreich sein, wenn der damit einhergehende Veränderungsprozess im Sinne eines Kulturwandels verstanden und gesteuert wird. Gemeint ist eine neue Beteiligungskultur, also eine frühzeitige Kommunikation ebenso wie eine echte Partizipation. Das unterstreichen die bisherigen Erkenntnisse aus dem vom DGB unterstützten FührDiv-Projekt deutlich.

Das alleine wird aber nicht reichen. Am Ende müssen auch die Arbeitsbedingungen verbessert werden. Dazu gehören ausreichend Personal und Ressourcen. Dazu gehören ein angemessenes Einkommen, Gestaltungsspielräume im Sinne eines selbstbestimmten Arbeitens und natürlich Schutz vor Belastungen, die aus der digitalen Vernetzung resultieren – etwa die permanente Erreichbarkeit. Hier stehen die Dienstherren und Arbeitgeber in der Verantwortung.

Doch auch Gewerkschaften sind mehr denn je gefordert. Wir müssen den Austausch über die Chancen und Risiken der Digitalisierung mit Dienstherren und Beschäftigten intensivieren, Handlungsbedarfe und Erwartungen stärker antizipieren. Und wir müssen Orientierung bieten. Nur dadurch können wir Beschäftigten und Personalräten die notwendige Sicherheit geben, um die anstehende digitale Umsetzung zu gestalten.

Quelle: Beamten-Magazin 01/2019

mehr zu: Themen und Inhalte
Startseite | Sitemap | Publikationen | Newsletter | Kontakt | Datenschutz | Impressum
www.beamten-informationen.de © 2021