Fehltage in der Bundesverwaltung weiter auf Rekordniveau; Bund

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Fehltage in der Bundesverwaltung weiter auf Rekordniveau

Gesundheitsförderungsbericht 2017

Das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) hat mit dem Gesundheitsförderungsbericht aktuelle Zahlen zum Krankenstand in der Bundesverwaltung veröffentlicht. Wie in den Jahren zuvor befinden sich die krankheitsbedingten Fehlzeiten weiter auf Rekordniveau. Und erneut werden – ebenfalls wie in den Jahren zuvor – keine konkreten Ursachen für den hohen Krankenstand genannt. Es stellt sich die Frage, inwieweit der politische Wille besteht, dem quasi seit 2001 anhaltenden Trend hoher Fehlzeiten entgegenzuwirken.

Entwicklung der Abwesenheitstage je Beschäftigtem in der unmittelbaren Bundesverwaltung 

BMI: Gesundheitsförderungsbericht 2017 der unmittelbaren Bundesverwaltung, S. 30

Im Dezember 2018 veröffentlichte das BMI den aktuellen Gesundheitsförderungsbericht und konstatierte darin einen leicht sinkenden Krankenstand für das Jahr 2017. Demnach waren die Bediensteten der Bundesministerien und nachgeordneten Behörden im Durchschnitt an 20,55 Arbeitstagen krank oder in Rehabilitationsmaßnahmen. Das ist im Wesentlichen das Niveau der Vorjahre. Laut Bericht gab es 2016 gut 21.01 krankheitsbedingte Fehltage und 20,25 im Jahr 2015.

Der Rückgang relativiert sich aber im Vergleich zu den Erfassungen der Krankenkassen. Die Techniker Krankenkasse erfasste 2017 durchschnittlich 15,1 Fehltage je Versichertem, die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) erneut 19,4 Tage. Auch wenn sich die Erhebungen in Form, Umfang und Profil unterscheiden, so ist offensichtlich, dass der Krankenstand in den Bundesbehörden seit Jahren überdurchschnittlich hoch ist.

Verteilung der Krankheitsdauer in der unmittelbaren Bundesverwaltung 

BMI: Gesundheitsförderungsbericht 2017 der unmittelbaren Bundesverwaltung

Erklärungsversuche aus dem BMI

Das BMI hat seine eigene Sicht auf die Dinge. So wird im Bericht darauf verwiesen, dass in den 20,55 Krankheitstagen alle Kurzzeiterkrankungen enthalten sind. Andere Statistiken erfassen Kurzzeiterkrankungen dagegen nicht vollständig, etwa immer dann, wenn keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung eingereicht wird. Kurzzeiterkrankungen bilden in der Bundesverwaltung mit 18,4 Prozent aber nach wie vor den geringsten Anteil. Das BMI betont darüber hinaus, dass in seinem Bericht auch Abwesenheitstage aufgrund von Rehabilitationsmaßnahmen erfasst werden, die so in den Statistiken der Krankenkassen nicht auftauchen. Aber auch diese Zahl ist mit knapp 1,9 Prozent gering. Schließlich verweist das Innenministerium noch auf den Anteil älterer Beschäftigter innerhalb der Bundesverwaltung. Das Durchschnittsalter ist trotz leicht rückläufiger Tendenz mit 45,3 Jahren tatsächlich relativ hoch. Ältere Beschäftigte sind dabei nicht unbedingt häufiger, vor allem aber länger krank als jüngere. Langzeiterkrankungen haben aber laut dem Bericht abgenommen. Letztlich können die angeführten Argumente nicht plausibel den Unterschied zum Rest der Republik erklären. Festzuhalten ist, dass Bundesbedienstete häufiger krankheitsbedingt am Arbeitsplatz fehlen als Beschäftigte anderer Branchen. Woran liegt das genau?

Ursachen bleiben unklar

Innerhalb der Bundesverwaltung gibt es erhebliche Unterschiede bei der Anzahl der Fehltage. Liegt hier die Antwort? Ein Bundesbeamter im höheren Dienst etwa fehlte 2017 krankheitsbedingt im Schnitt an 10,10 Arbeitstagen. Im einfachen Dienst waren es dagegen 31,40 Tage, also dreimal so viele. Ein Grund dafür könnte der höhere Anteil körperlicher Arbeiten in dieser Laufbahn sein, etwa Hausmeister- oder Wachtätigkeiten. Laut AOK machen aber nicht nur körperliche Belastungen krank. Mangelnde Zufriedenheit mit dem Beruf, ein schlechtes Arbeitsklima und fehlende berufliche Perspektiven können ebenfalls zu Erkrankungen führen. Auch der Blick auf die Krankenstände in den Bundesbehörden lässt vermuten, dass gesunde Arbeit einen unterschiedlichen Stellenwert besitzt. Die Fehlzeiten variieren etwa zwischen 12,06 Tagen im Bundesverfassungsgericht und 26,08 Tagen bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Bei letzterem arbeiten im Übrigen überdurchschnittlich viele Beschäftigte im einfachen Dienst. All das sind Indizien, die für eine tiefergehende Analyse sprechen. Doch die Gründe für den hohen Krankenstand bleiben weiterhin unklar, auch weil die Ursachenforschung laut BMI bei den Ressorts selbst liege. Das mag zwar formal richtig sein, löst aber offensichtlich nicht das Grundproblem.

Der politische Wille fehlt

„Der aktuelle Gesundheitsförderungsbericht ist einmal mehr Beleg dafür, dass es erkennbar an politischem Willen fehlt, wenn es um gute und vor allem gesunde Arbeit geht. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass seit siebzehn Jahren dem Krankenstand in der Bundesverwaltung dabei zugeschaut wird, wie er wächst“, kommentiert Elke Hannack, stellvertretende DGB-Vorsitzende, den aktuellen Bericht. „Die Zahlen liegen vor, Ursachen werden aber ausgeblendet oder Verantwortlichkeiten hin und her geschoben. Leidtragende sind am Ende die Beschäftigten. Hier muss sich grundlegend etwas ändern“, so Hannack weiter.

Der DGB fordert daher neben einer ressortübergreifenden Ursachenermittlung auch die Stärkung der Verantwortung und Steuerung des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) an zentraler Stelle. Dafür braucht es in vielen Behörden mehr Personal und Finanzmittel. Vor allem muss zügig gehandelt werden. Denn vor dem Hintergrund der fortschreitenden Digitalisierung der Bundesverwaltung, werden bestehende Missstände eher verschärft. Die Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit 2017 zeigt deutlich, dass für etwa 63 Prozent der befragten Beschäftigten in der öffentlichen Verwaltung die Arbeit durch die Digitalisierung mehr geworden ist. Und das führt zu mehr Arbeitsbelastung, Druck und letztlich gesundheitlicher Belastung.

BGM Schwerpunktpapier: Evaluation

Der Gesundheitsförderungsbericht umfasst auch in diesem Jahr ein Schwerpunktpapier, welches die 2013 vorgelegten „Eckpunkte für ein Rahmenkonzept zur Weiterentwicklung des Betrieblichen Gesundheitsmanagements in der Bundesverwaltung“ als praxisorientierte Leitfäden vertieft. Die Schwerpunktpapiere werden vom Ressortarbeitskreis Gesundheitsmanagement entwickelt, in dem auch der DGB mitarbeitet.

Das aktuelle Schwerpunktpapier thematisiert den letzten Schritt im BGM, die Evaluation. Darin werden die wesentlichen Grundlagen und Erfolgsfaktoren für Evaluationen dargestellt. Darauf aufbauend wird aufgezeigt, wie entsprechende Strukturen – also Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten – geschaffen werden können, und wie eine Evaluation in einem BGM-Prozess durchgeführt werden kann. Das Papier schließt mit konkreten Praxisbeispielen.

Quelle: Beamten-Magazin 01/2019

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