Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst; Gewerkschaften

.

Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst

DGB-Fachtagung und Publikation

Vor dem Hintergrund steigender Übergriffe auf Beschäftigte im öffentlichen Dienst und privatisierten Dienstleistungssektor stellte der DGB auf einer Fachtagung am 20. September die Ursachen und Auswirkungen von Respektlosigkeiten und Angriffen sowie die Erlebnisse von Beschäftigten in den Mittelpunkt des Tages.

Von Alexander Boettcher

Der tägliche Blick in die Zeitung lässt es erahnen, die Zahlen sprechen für sich: Die registrierten Übergriffe – ob verbal oder körperlich – haben bundesweit und in fast allen Bereichen des öffentlichen Dienstes massiv zugenommen. Allein bei der Polizei wurden 2017 laut aktueller Kriminalstatistik 74.000 Angriffe auf PolizeibeamtInnen registriert und damit ein neuer Negativrekord erreicht. Bei der Bahn sind die Übergriffe seit 2009 um das Dreifache auf 2.550 angestiegen wie der DB-Sicherheitsbericht zeigt. Diese Tendenzen gelten für andere Bereiche in ähnlicher Weise.

Mit dieser Entwicklung im Hinterkopf diskutierten VertreterInnen aus Politik, Gesellschaft und Wissenschaft sowie Beschäftigte auf Einladung des DGB in Berlin über Ursachen und Lösungsmöglichkeiten. Für Elke Hannack, stellvertretende DGB-Vorsitzende, sind belastbare Zahlen zu gewalttätigen Übergriffen unabdingbar. Denn: „Wenn Zahlen vorliegen, müssen die Dienstherren handeln und können sich nicht mehr rausreden.“ Ursache für die zunehmende Gewalt sei laut ihrer Wahrnehmung unter anderem eine fehlende Achtung für unsere Staatsform. Zuvor hatte Professor Ulrich Wagner von der Philipps-Universität Marburg vor Schuldzuweisungen gewarnt. Jeder einzelne sei in der Verantwortung; Wagner mahnte, die Diskussion nicht unter dem Motto zu führen „Wir hier unten, die da oben“.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen Erlebnisse von Beschäftigten, die Opfer gewalttätiger Attacken geworden sind. Eine Krankenschwester, eine Polizistin und ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes schilderten eindringlich, was ihnen widerfahren ist und mit welchen Folgen sie zum Teil bis heute zu kämpfen haben.

Die Veranstaltung verdeutlichte, dass das Thema Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst ausnahmslos alle Bereiche betrifft und dringend gegengesteuert werden muss: Insbesondere Politik und öffentliche Arbeitgeber stehen weiter in der Pflicht zu handeln. Notwendig sei nicht nur eine gesamtgesellschaftliche Wertedebatte darüber, wie wir zusammen leben wollen, sondern auch konkrete Maßnahmen zum besseren Schutz der Beschäftigten. Gefordert wurden unter anderem umfassendere Statistiken zu Übergriffen, der regelmäßige Einsatz von Gefährdungs- und Gefahrenpotenzialanalysen, eine bessere personelle und materielle Ausstattung sowie regelmäßige Präventions- und Deeskalationsschulungen für die Beschäftigten.

Auf der Tagung wurde zudem die DGB-Broschüre „Wider die Normalisierung! Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst und privatisierten Dienstleistungssektor“ vorgestellt. Sie belegt anhand aktueller Zahlen, Daten und Fakten die Vielschichtigkeit des Problems und weist auf konkrete Handlungsmöglichkeiten hin, wie Arbeitgeber, Dienstherren und Beschäftigte Gewalt strukturiert begegnen können. Vor allem aber bietet die Publikation Betroffenen eine Plattform. Insgesamt neun Beschäftigte aus verschiedenen Bereichen des öffentlichen Dienstes und privatisierter Dienstleistungssektoren werden darin porträtiert. Die KollegInnen berichten von ihren Gewalterfahrungen und den aus ihrer Sicht nötigen Schritten, um dem etwas entgegenzusetzen. 

 

Quelle: Beamten-Magazin 10/2018

mehr zu: Themen und Inhalte
Startseite | Sitemap | Publikationen | Newsletter | Kontakt | Datenschutz | Impressum
www.beamten-informationen.de © 2021