Maßnahmen gegen einseitigen Wirtschaftslobbyismus ergreifen; Kommentar

Maßnahmen gegen einseitigen Wirtschaftslobbyismus ergreifen

 

von Ilka Hoffmann, Leiterin des Vorstandsbereichs Schule der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

Seit einigen Jahren beobachtet die GEW mit Sorge, dass Unternehmen versuchen auf vielfältige Art im Klassenzimmer Einfluss zu nehmen, zum Beispiel auf Unterrichtsinhalte wie Fragen der Wirtschaft, der Finanzen und des Arbeitsmarktes. Gleichzeitig gibt es auch noch direkte oder indirekte Produktwerbung durch kostenlose Unterrichtsmaterialien.

Dabei tun sich Finanzdienstleister und Versicherungskonzerne besonders hervor. Wenn man genau hinschaut, lässt sich hinter vielen Angeboten ein regelrechtes Netzwerk von Akteurinnen und Interessenvertretern erkennen. Diese publizieren zum Beispiel Standards für die „Ökonomische Bildung“. Sie machen Fortbildungsangebote, veranstalten Projekte und Schulwettbewerbe, fördern Kooperationen zwischen Schule und Wirtschaft und machen sich für ein Pflichtfach Wirtschaft stark. Wir haben es hier mit einem massiv zunehmenden Wirtschaftslobbyismus zur inhaltlichen Ausrichtung sowie zur curricularen Verortung der ökonomischen Bildung an Schulen zu tun. Die Interessen, die dahinter stehen sind relativ klar: In den Köpfen der jungen Menschen soll ein bestimmtes ökonomisches Denken verankert werden, Produkte direkt platziert werden, aber auch fragwürdige Firmenpraktiken überdeckt oder das eigne Image aufgebessert werden. Gewerkschaften und Arbeitnehmerinteressen sind dabei eher ein Dorn im Auge.
Sehr problematisch ist, dass die Türen für Wirtschaft und Arbeitgeberverbände in den Schulen weit offen stehen. Die Gewerkschaften haben es sehr viel schwerer, in den Schulen empfangen zu werden. Dabei werden die meisten Schüler*innen nach Abschluss ihrer Schulbildung Arbeitnehmer*innen und keine Firmenbosse sein. Es ist von daher wichtig, dass über die Möglichkeiten gewerkschaftlicher Interessenvertretung und über ihre Mitbestimmungsrechte in der Arbeitswelt aufgeklärt werden. Eine funktionierende Demokratie fußt auf mündigen und selbstbewussten Bürger*innen und auf menschenwürdigen Arbeitsbedingungen. Dies muss auch die Politik erkennen und wirksame Maßnahmen gegen einen einseitigen Wirtschaftslobbyismus in den Klassenzimmern ergreifen. Die Gewerkschaften dürfen nicht nachlassen, den Dialog mit den Schulen zu suchen und auf die Einflussnahme von Lobbyisten auf die Schulinhalte aufmerksam zu machen.

Quelle: Beamten-Magazin 09/2017

mehr zu: Themen und Inhalte
Startseite | Sitemap | Publikationen | Newsletter | Kontakt | Datenschutz | Impressum
www.beamten-informationen.de © 2021