Alexander Haas, Politischer Referent, Abteilung Öffentlicher Dienst und Beamtenpolitik beim DGB-Bundesvorstand; Editorial

Foto: DGB/Simone M. Neumann

Alexander Haas
Politischer Referent, Abteilung Öffentlicher Dienst und Beamtenpolitik beim DGB-Bundesvorstand

Liebe Leserinnen und Leser,

wir leben in Zeiten, in denen Nachrichten manchmal schwer von Satire zu unterscheiden sind. Ich meine jetzt nicht den sächsischen Justizminister, dem es offenbar schwer fiel, einen verhinderten Selbstmordattentäter für selbstmordgefährdet zu halten. Nein, es geht mir um eine Nachricht aus der digitalen Sphäre: „Tatüü tataa, die Cyberwehr ist da.“ Ja, Sie haben richtig gelesen: die freiwillige Cyberwehr. Dringen fremde Kräfte in ein Datennetz des Staates oder von Betreibern wichtiger Infrastrukturen ein, zum Beispiel um Datendiebstähle oder Sabotagen auszuführen, dann soll nach dem Willen des Bundesinnenministeriums (BMI) bald die freiwillige Cyberwehr helfen. Doch IT-Sicherheits-Spezialistinnen und -spezialisten sind rar auf dem Arbeitsmarkt und hochbezahlt. Statt attraktive Beschäftigungsbedingungen anzubieten, appelliert das BMI nun an die „Freiwilligkeit“. ITSicherheits-Unternehmen sollen ihre Spezialistinnen und Spezialisten ein paar Tage im Jahr freistellen. Wie der renommierte Hackerverein „Chaos Computer Club“ prophezeite, werden das wohl nur Amateure machen. Oder Wirtschaftsspione. Oder IT-Sicherheitsfirmen, an denen der Staat beteiligt ist. Genau solche Beteiligungen wollen BMI und Finanzministerium ausbauen. Das Verteidigungsressort indes bildet als einziges eine nennenswerte Zahl eigene IT-Sicherheitskräfte aus – und legt damit den Grundstein für den digitalen Bundeswehreinsatz im Innern.

Dabei gibt es gute Konzepte, wie auch die allgemeine Verwaltung ihre Kompetenzen in Sachen „sichere Informationstechnik“ ausbauen kann. Passend zum derzeit laufenden „europäischen Monat der Cybersicherheit“ präsentieren wir sie ab Seite 4 im Titelbeitrag. Die politische Spitze muss es eben beherzt angehen. Das gilt im Übrigen für alle Kompetenzen in der digitalen Verwaltung, wie unser Gastbeitrag und die Meldung aus dem IT-Planungsrat zeigen.

Mit freundlichen Grüßen

Alexander Haas

Quelle: Beamten-Magazin 10/2016

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