Stress im Polizeidienst; Gewerkschaften

Stress im Polizeidienst

5. Arbeitsschutzsymposium der GdP

In wenigen Berufen werden bei der Einstellung derart hohe Anforderungen an Fitness und Gesundheit gestellt wie bei PolizistInnen. Doch ohne funktionierenden Arbeitsschutz können sie den enormen Belastungen des Berufs auf Dauer nicht standhalten – und die gibt es nicht nur bei der Hundertschaft und der Mordkommission. Die Gewerkschaft der Polizei hat sich deshalb im März 2015 zum fünften Mal mit einem Symposium dem Thema gesunde Arbeit gewidmet.

Schwerpunkt Psyche

In diesem Jahr ging es um die Vermeidung psychischer Erkrankungen im Beruf. „Wir dürfen diese Gefahr nicht auf die leichte Schulter nehmen“, mahnte der stellvertretende GdP-Bundesvorsitzende Dietmar Schilff. Die Polizei hinke bei der Prävention der freien Wirtschaft deutlich hinterher. Wie dieser Rückstand aufzuholen sei, berieten zwei Tage lang 100 GewerkschafterInnen, Personalratsmitglieder, Fachkräfte für Arbeitssicherheit und BetriebsärztInnen in Potsdam. Die Defizite beginnen schon bei der Analyse: „Es fehlt in der Polizei eine verlässliche Datenbasis, auf deren Grundlage der Gesundheitszustand der Beschäftigten realistisch abgebildet werden

Oliver Malchow, GdPBundesvorsitzender, und die TeilnehmerInnen des 5. Arbeitsschutzsymposiums erörtern die Belastungen im Polizeidienst und diskutieren über bessere Präventionsmaßnahmen Fotos: GdP/Hagen Immel

kann“, so Schilff. Das gelte vor allem für den Bereich psychischer Erkrankungen. „Eine Risswunde am Finger nach einer Widerstandshandlung hinterlässt nur eine Narbe, was ist jedoch mit den täglich auf unsere Kolleginnen und Kollegen wirkenden Eindrücken und Erlebnissen?“

Prävention verbessern!

Die Anwesenden legten durchweg auf eine ganzheitliche Bewertung potenzieller Gesundheitsgefahren Wert. Die Erfassung der Belastung durch den Streifenalltag, Fußballeinsätze oder Mordermittlungen sei wichtig. Aber auch die Belastung durch die Gestaltung der Arbeit in der Wache müsse einbezogen werden. Dies umfasse Inhalte, Organisation und Arbeitsumgebung ebenso wie soziale Beziehungen, Führung oder neue, zum Beispiel digitalisierte, Arbeitsformen. In vier Arbeitskreisen setzten sich die TeilnehmerInnen mit möglichen gewerkschaftlichen Forderungen zur Verbesserung der Prävention auseinander. Sie erarbeiteten Anforderungen an eine bessere polizeiärztliche Betreuung von BeamtInnen ebenso wie Möglichkeiten, den Beruf der Polizeiärztin/des Polizeiarztes attraktiver zu gestalten. Handlungsbedarf wurde auch

bei der umfassenden geschlechterspezifischen Betrachtung der Belastungen des Polizeidienstes gesehen. Diese können sich etwa aus der unterschiedlichen Wahrnehmung familiärer Aufgaben ergeben oder aus unterschiedlichen Anforderungen und Erwartungen je nach Geschlechterrolle (siehe Magazin 22.01.2015). Gesundheit müsse außerdem Chefsache werden. Ein Arbeitskreis schlug dazu vor, gesundes Führen als Prüfungsfach in die Ausbildung des gehobenen und höheren Dienstes und in Führungskräftetrainings aufzunehmen.

Quelle: Beamten-Magazin 04/2015

 

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