Interkulturalität; Praxisforen

Interkulturalität

Zu wenige Migranten

Der öffentliche Dienst zählt unter seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu wenige Menschen mit ausländischen Wurzeln. Das stellten nicht nur die Referenten im Forum „Interkulturalität: Abbau von Hürden beim Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen und Ämtern?" fest. Besucherinnen und Besucher der Diskussionsrunde bemerken es täglich am Arbeitsplatz. Ein Personalratsvorsitzender aus Sachsen nannte einen Anteil von 0,2 Prozent bei der dortigen Polizei.

  

Referentin Dr. Talibe Süzen wunderte sich darüber, dass sich die Zahl von 15,7 Millionen eingewanderten sowie in Deutschland geborenen Menschen, in den meisten Einrichtungen nicht im Geringsten in der Personalbesetzung widerspiegele. Ein großes Potenzial bleibe ungenutzt, machte die Referentin für interkulturelle Kinder- und Jugendhilfe beim Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt deutlich.

Der öffentliche Dienst wirbt verstärkt um Migrantinnen und Migranten, doch die Einstellung scheitert meist. Als beispielhaft für die Bemühungen der Polizei erwähnte der stellvertretende GdP-Bundesvorsitzende Jörg Radek die Ansätze der Projektgruppe der Bundespolizei am Flughafen Frankfurt. Die Polizistinnen und Polizisten stellen ihre Arbeit unter anderem an Schulen vor. Auf die Angesprochenen wirken diese Bemühungen nach Radeks Schilderung häufig allerdings befremdlich. Sie erlebten Polizisten als Uniformträger, die auch die staatliche Gewalt ausüben – und nun sollten sie daran mitwirken. Auch formale Hürden wie die deutsche Staatsbürgerschaft erschwerten den Zugang zum öffentlichen Dienst.

Dr. Sonja Dudek von der „Berliner Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung" regte an, die Einstellungskriterien zu überprüfen, damit auch Migranten mit ihren Kompetenzen punkten können. In der Verwaltung sei zu wenig über die Bedürfnisse dieser Gruppe bekannt, um spezifische Angebote machen zu können. Den gewünschten Adressaten wiederum mangele es an Informationen über die komplexen Möglichkeiten. Die Gesellschaft müsse ihnen Chancen eröffnen. Süzen veranschaulichte das Ziel mit einem Bild: „Chancengleichheit besteht nicht darin, dass jeder einen Apfel pflücken darf, sondern dass der Zwerg eine Leiter bekommt."

Quelle: Beamten-Magazin 11.-12/2012

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