Vielfalt auch in der Arbeitswelt; Kommentar

Vielfalt auch in der Arbeitswelt

Ingrid Sehrbrock, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes

Was wissen wir eigentlich über die Situation von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgendern (LSBT) und Intersexuellen in der Arbeitswelt im Allgemeinen und in den Gewerkschaften im Besonderen? Führt das Thema im Vergleich zu seiner Präsenz in zivilgesellschaftlichen Zusammenhängen nicht in der Arbeitswelt ein Schattendasein? Aber warum ist das so? Vielleicht weil viele denken, die sexuelle Identität sei privat und habe am Arbeitsplatz nichts verloren. Vielleicht auch, weil viele befürchten, dass sie ihr berufliches Umfeld schlichtweg überfordern, durch das Bekenntnis zu einem Partner oder einer Partnerin, die nicht das Geschlecht hat, das in einer heterosexuell geprägten Gesellschaft erwartet wird. Und schließlich befürchten viele Betroffene handfeste Nachteile im Beruf.

Sexuelle Vielfalt muss auch in der Arbeitswelt normal sein. Denn wir kämpfen gegen handfeste Diskriminierungen – sei es in Form von Mobbing, Versetzung oder gar Kündigung. Noch immer verschweigen deshalb viele Menschen ihre sexuelle Identität im Beruf.

Ungleichbehandlungen aufgrund der sexuellen Identität müssen auch in der Arbeitswelt endlich der Vergangenheit angehören. Für den DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften ist der Abbau von Diskriminierungen gegenüber Lesben, Schwulen, Bi-, Trans- und Intersexuellen ein wichtiges Thema. Auch viele unserer Betriebs- und Personalräte setzen sich für Vielfalt statt Einfalt in den Betrieben und Dienststellen ein.

In den Mitgliedsgewerkschaften des DGB gibt es bereits seit vielen Jahren Organisationsformen, die sich den Abbau der Diskriminierung von Lesben,  Schwulen, Bisexuellen und Transgendern am Arbeitsplatz zum Ziel gesetzt haben. Die Aktivitäten sind zum Teil regional sehr unterschiedlich und variieren auch je nach Organisationsbereich. Beispielhaft ist der im März 2011 eingerichtete „DGB-Arbeitskreis LSBT“ im DGB Bezirk Berlin-Brandenburg. Doch was bislang fehlte, ist eine bundesweit vernetzte LSBT-Arbeit im DGB. Mit einem Workshop Anfang April haben wir hierfür einen ersten Aufschlag gemacht. Es ist höchste Zeit. Denn Diskriminierung können wir uns nicht mehr leisten.

Quelle: Beamten-Magazin 07/08.2012

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