Sparen um jeden Preis ist nicht akzeptabel; Ingrid Sehrbrock; Kommentar

Sparen um jeden Preis ist nicht akzeptabel

Ingrid Sehrbrock, Stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes

Die Zahl der Beschäftigten im öffentlichen Dienst ist in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Der erst kürzlich von der Bundesregierung veröffentlichte Demographiebericht zeigt, dass in der unmittelbaren Bundesverwaltung seit 1991 der Personalbestand um 30 Prozent gesunken ist. Dennoch hält die Bundesregierung an ihren Plänen fest, bis zum Jahre 2014 weitere 10.000 Stellen in der Bundesverwaltung abzubauen. Dadurch wird auch der Spielraum für Neueinstellungen geringer, mit dem Effekt, dass die Belegschaften im öffentlichen Dienst immer älter werden. Fast 40 Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Dienst sind schon heute älter als 50 Jahre, Tendenz steigend. Das Durchschnittsalter beträgt bereits rund 45 Jahre. Dieser Anteil wird sich noch „durch den haushaltsbedingten Personalabbau" verstärken, prognostiziert der Demographiebericht.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund sieht die drastischen Einsparmaßnahmen der öffentlichen Arbeitgeber seit langem mit Sorge, denn es ist zu befürchten, dass durch einen weiteren Stellenabbau auch die Arbeitsverdichtung weiter steigt. Nach einer Befragung des DGB-Index Gute Arbeit geht nur jeder zweite Beschäftigte im öffentlichen Dienst davon aus, seine Tätigkeit unter den derzeitigen Arbeitsbedingungen bis zum Ruhestandsalter ausüben zu können. 34,3 Prozent der Befragten gaben sogar an, dass sie sich unter Berücksichtigung ihres Gesundheitszustandes und der Arbeitsbedingungen nicht vorstellen können, ihre Erwerbsphase gesund zu beenden.

Sparen um jeden Preis auf dem Rücken der Beschäftigten und zu Lasten der Bürgerinnen und Bürger ist nicht akzeptabel. Wir müssen die Beschäftigten stärker vor Zeitdruck und Arbeitsverdichtung schützen. Doch die derzeitige Personalpolitik der öffentlichen Arbeitgeber geht genau in die andere Richtung. Der Personalabbau seit Anfang der 90er Jahre führt zu negativen gesundheitlichen Auswirkungen für viele Beschäftigte. Ein deutlicher Indikator dafür ist die signifikante Steigerung der krankheitsbedingten Fehlzeiten in der Bundesverwaltung. Die Quote lag 2008 bereits bei 6,51 Prozent und ist 2009 noch weiter auf über 7 Prozent gestiegen. Dies ist der höchste Anstieg seit 1998. Das bedeutet, dass in der unmittelbaren Bundesverwaltung von den 267.097 Beschäftigten jeden Tag 18.900 krankheitsbedingt fehlen.

Angesichts dieser Entwicklung ist ein deutliches Umdenken notwendig. Die öffentlichen Arbeitgeber müssen endlich ein adäquates Gesundheitsmanagement einführen, denn es hat sich gezeigt, dass die bisherigen Maßnahmen nicht zum Erfolg führen. Gerade die gesundheitlichen Belange der älter werdenden Beschäftigten im öffentlichen Dienst müssen berücksichtigt werden. Die wachsende Arbeitsverdichtung durch den Personalabbau der letzten Jahre muss gestoppt werden. Neueinstellungen müssen jetzt erfolgen, denn der Wettbewerb um gute Fachkräfte hat schon begonnen.

Zur Person

- 1948 in Offenbach am Main geboren
- Studium der Anglistik, Politikwissenschaft, Chemie und Pädagogik in Frankfurt/Main
- seit 1987 stellvertretende Bundesvorsitzende der CDA
- seit 1999 Mitglied des Geschäftsführenden Bundesvorstandes des DGB
- seit Mai 2006 stellvertretende Vorsitzende des DGB

 

Quelle: Beamten-Magazin 11.-12/2011

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