Mitbestimmung fordern – Initiative ergreifen; Service

Mitbestimmung fordern – Initiative ergreifen

Mitbestimmung spezial, Teil II

Öffentliche Arbeitgeber müssen wie alle anderen Arbeitgeber auch bei der Einrichtung oder Gestaltung von Bildschirmarbeitsplätzen eine Gefährdungsbeurteilung vornehmen. Hierbei müssen alle Gefährdungen, die die Beschäftigten am Arbeitsplatz betreffen können, berücksichtigt werden. Die Praxis zeigt: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft eine große Lücke. Die Personalvertretungen können dazu beitragen, sie zu schließen.

Gefährdungsbeurteilung am Bildschirmarbeitsplatz

Die Gefährdungsbeurteilung nach dem Arbeitsschutzgesetz muss umfassend sein und nach § 3 Bildschirmarbeitsverordnung insbesondere eine mögliche Gefährdung des Sehvermögens sowie körperliche Probleme und psychische Belastungen ermitteln und beurteilen. Wie Stress und psychische Belastungen bei der Bildschirmarbeit erfasst werden sollen, ist nicht näher geregelt. Damit gehört dies zu den „ausfüllungsbedürftigen“ Regelungen und fällt in den Aufgabenbereich der Personalvertretung. Als Hilfestellung können Checklisten bei den Unfallkassen angefordert werden. Einen Überblick über Verfahren zur Gefährdungsbeurteilung hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin auf ihrer Internetseite www.baua.de (Informationen für die Praxis ? Handlungshilfen und Praxisbeispiele ? Toolbox: Instrumente zur Erfassung psychischer Belastungen) aufgelistet, wovon zwei Verfahren – nämlich SIGMA (Screening-Instrument zur Bewertung und Gestaltung von menschengerechten Arbeitstätigkeiten) und BASA (Bewertung von Arbeitsbedingungen – Screening für Arbeitsplatzinhaber) – ausführlich
vorgestellt werden www.baua.de (Themen von A-Z ? Gefährdungsbeurteilung).

Aufgaben der Personalräte

Die Bildschirmarbeitsverordnung regelt, wie Bildschirmarbeitsplätze gestaltet sein müssen, damit sie allen relevanten Rechtsvorschriften und arbeitsmedizinischen Grundsätzen entsprechen – Regelungen, die teilweise nicht umgesetzt oder eingehalten werden. Lärm, der die Konzentration stört oder beeinträchtigt beispielsweise, soll vermieden werden. Heimliche qualitative oder quantitative Kontrollen der Beschäftigten sind unzulässig. Diese Vorschriften einzuhalten, zu überwachen oder – wenn nötig – zu erzwingen, ist Aufgabe des Personalrats. In der Praxis werden bei Bildschirmarbeitsplätzen vor allem physikalisch
messbare Faktoren wie Tischgröße oder Blendungsfreiheit überprüft. Problemen wie Augenüberlastung oder körperlichen Beeinträchtigungen durch Bewegungsmangel und Zwangshaltungen wird kaum Rechnung getragen. Psychischen Belastungen oder Stressfaktoren wie Zeitdruck, E-Mail-Flut, Softwaremängel, unklare Arbeitsanweisungen usw., geschweige denn den vielfältigen Wechselwirkungen zwischen körperlichen, visuellen und psychischen Belastungen wird ebenfalls keine Beachtung geschenkt. Hier können und sollten Personalvertretungen die Initiative ergreifen.

Hilfestellung für Personalräte

Das Arbeitsschutzgesetz schreibt ausdrücklich vor, dass der Arbeitgeber bei den Schutzmaßnahmen „den Stand von Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene sowie sonstige gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnis zu berücksichtigen“ hat. Die Vorschriften, die bei der Gestaltung von Bildschirmarbeitsplätzen im Einzelnen eingehalten werden müssen, sind im Leitfaden für die Gestaltung von Bildschirm- und Büroarbeitsplätzen der Gesetzlichen Unfallversicherung (GUV-I 650) ausführlich beschrieben. Er ist identisch mit dem von der Verwaltungsberufsgenossenschaft herausgegebenen praxisorientierten Leitfaden
für die Gestaltung von Bildschirm- und Büroarbeitsplätzen (BGI 650). Hier sind der jeweils aktuelle „Stand der Technik“ und die neuesten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse zusammengefasst. Der Leitfaden wird regelmäßig aktualisiert und kann bei den Unfallversicherungsträgern bestellt oder direkt aus dem Internet unter unter www.regelwerk.unfallkassen.de
(Informationen) heruntergeladen werden.


Weites Betätigungsfeld

Arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse gibt es auch über den Umgang mit der E-Mail-Flut, über spezielle Anforderungen der Arbeitsplatzgestaltung für ältere Arbeitnehmer/innen, über die barrierefreie Gestaltung der Informations- und Kommunikationstechnik und nicht zuletzt über gesundheitsförderliches Führungsverhalten – alles Themenkomplexe, bei denen der Personalrat ein Mitbestimmungsrecht hat.

Weitere Informationen:

Kiper, Manuel: Mitbestimmung bei der Bildschirmarbeitsgestaltung,
in: „Der Personalrat“ 9/2008, S. 354ff.

www.baua.de

www.gefaehrdungsbeurteilung.de

Quelle: Beamten-Magazin 01/2007






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