60 Jahre Einheitsgewerkschaft; Ingrid Sehrbrock; Kommentar

60 Jahre Einheitsgewerkschaft

Gedanken der stellvertretenden DGB-Vorsitzenden Ingrid Sehrbrock anlässlich des 60. Gründungstages des DGB

Die Einheitsgewerkschaft ist heute ein allgemein anerkanntes organisatorisches und politisches Prinzip im DGB. Es bleibt aber unsere ständige Aufgabe, diesen Grundsatz mit Leben zu erfüllen und ihm zu voller Wirksamkeit zu verhelfen. Die politischen Verhältnisse sind immer noch von einem Lagerdenken geprägt, das die Gewerkschaften dem linken Flügel des politischen Spektrums und den DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften bestimmten Parteien zuordnet. Das wird der Gewerkschaftsgeschichte nicht gerecht und auch nicht den Gründungsmüttern und –vätern des DGB. Die schon zur Weimarer Zeit geforderte gewerkschaftliche Einheit griff sozialistische ebenso wie christlich-soziale Traditionen und Grundsätze auf. Menschenund Bürgerechte sind für uns Garanten für eine demokratische und offene Gesellschaft. Schwarz, rot, gelb oder grün – der DGB will sich in kein Farbschema pressen lassen. Als stellvertretende DGB-Bundesvorsitzende und Mitglied im CDU-Bundesvorstand erlebe ich oft, wie schwer die Einheit zu leben ist. Als Gewerkschafterin in der Union muss ich immer wieder feststellen, dass Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretungen meiner Partei häufig eine fremde Welt sind. Als CDU-Mitglied im DGB werde ich oft damit konfrontiert, dass der Union in Gewerkschaftskreisen eine geringere soziale Kompetenz zugestanden wird. Diese Denkblockaden zu überwinden, ist und bleibt Aufgabe der Einheitsgewerkschaften. Denn Einheitsgewerkschaft das heißt: Der DGB ist nicht der Gewerkschaftsbund einer Partei oder eines politischen Lagers. Wir alle sind Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter. Uns eint, dass wir die Arbeits- und Einkommensbedingungen der Menschen in unserem Land, in Europa und der Welt verbessern wollen. Unsere geistige Grundlage ist die Solidarität, die Würde des Menschen unser Maßstab. Die jüngsten Wahlen haben uns Regierungswechsel beschert, die die politische Farbenlehre kräftig durcheinandergewirbelt haben. Als DGB bleiben wir parteipolitisch unabhängig, aber nicht neutral. Wir mischen uns aktiv in das politische Geschäft ein, egal wer regiert. Nur so erhalten wir unsere Fähigkeit, politisch mitgestalten zu können. Und nur so erfüllen wir die Aufgaben, die sich dem DGB seit 60 Jahren stellen: eine starke Interessenvertretung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, der Menschen ohne Arbeit und aller, die die Solidarität der Gewerkschaften brauchen.

Quelle: Beamten-Magazin 10/2009



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