Bundeswehr leidet unter „Ärzteflucht“; Bund

Bundeswehr leidet unter „Ärzteflucht“

Im letzten Jahr haben 97 Ärzte aus unterschiedlichen Gründen die Bundeswehr verlassen, die Bewerberzahlen brachen um über 20 Prozent ein. Kann der Zentrale Sanitätsdienst der Bundeswehr unter diesen Umständen seinen Auftrag noch erfüllen? Das wollte die FDP-Fraktion mit einer Kleinen Anfrage herausbekommen und erhielt zur Antwort, dass die sanitätsdienstliche Versorgung der Soldatinnen und Soldaten im In- und Ausland zwar gewährleistet sei, es aber wegen der unplanmäßigen Arztverluste zu „Anpassungen“ bei der Ausgestaltung der medizinischen Versorgung im Inland komme. Die Bundesregierung prüfe, in welchem Umfang und Zeitrahmen auf Leistungen des zivilen Gesundheitswesens zurückgegriffen werden müsse. Da neben wurden verstärkt Personalbindungsmaßnahmen eingeleitet: Junge Sanitätsoffiziere können künftig sehr viel früher die Zusage für eine gebietsärztliche Weiterbildung erhalten, wenn ihnen ihre fachlichen  Vorgesetzten in den Bundeswehrkrankenhäusern die Eignung attestieren. Außerdem wurde eine monatliche Zulage von 600 Euro für Sanitätsoffiziere Arzt, die als Gebietsarzt qualifiziert und eingesetzt oder als Rettungsmediziner verpflichtet sind, im Dienstrechtsneuordnungsgesetz verankert. Unter dem Konkurrenzaspekt werden weitere Anreize und Verbesserun gen geprüft, um Fachpersonal längerfristig zu binden. In der Anfrage wird auch die Schließung der Station zur Versorgung schwerer Brandverletzungen im Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz erwähnt. Dort, so die Antwort der Bundesregierung, ist eine uneingeschränkte Behandlung schwerstbrandverletzter Patienten derzeit nicht möglich. Innerhalb eines Jahres ist der darauf spezialisierte Sanitätsoffizier verstorben und ein zweiter krankheitsbedingt nicht einsetzbar. Derzeit arbeitet die Bundeswehr deshalb mit zivilen Einrichtungen zusammen. Dass sich die Situation des Sanitätsdienstes in der Bundeswehr erheblich verschlechtert hat, geht auch aus dem Jahresbericht des Wehrbeauftragten Reinhold Robbe hervor. „Die Abwanderungsquote hat sich gegenüber 2007 nahezu verzehnfacht“, heißt es. Den Streitkräften fehlen rund 430 Sanitätsoffiziere, was laut Robbe zu „unverhältnismäßigen Belastungen durch zu hohe Einsatzhäufigkeit“ beim Sanitätspersonal führe. „Die Motivation der Ärzte in der Bundeswehr“ sei „in erschreckendem Ausmaß gekippt“. Es gebe deutliche Anzeichen für vermehrte „innere Kündigungen von Sanitätsoffizieren“. Robbe bemängelt in seinem Bericht auch, dass die Bundeswehr den unterschiedlichen Familiensituationen und Lebensbedürfnissen ihrer Soldaten zu wenig Rechnung trage. Die Eingaben zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Dienst hätten sich seit seinem Amtsantritt 2005 von 53 auf 141 nahezu verdreifacht. Die Mehrzahl der Eingaben kommt laut Robbe von männlichen Soldaten. Er fordert in seinem Bericht deshalb konkrete Verbesserungen bei der Kinderbetreuung und moderne Arbeitszeitmodelle.

Quelle: Beamten-Magazin 4/2009





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