Gesundheitsvorsorge ist Führungsaufgabe; Jörg Radek; Kommentar

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Gesundheitsvorsorge ist Führungsaufgabe

Der stellvertretende GdP-Vorsitzende Jörg Radek zum Gesundheitsmanagement bei der Polizei

Die Arbeitswelt in der Polizei ist immer stärker durch Leistungsdruck und Arbeitsverdichtung geprägt. Die Phasen der Erholung werden immer kürzer. Das Einsatzgeschehen zwischen Einsätzen an den Wochenenden und Demonstrationen lässt keine Zeit, um Atem zu holen.

Das Ergebnis einer Befragung bei 177 Bundesbehörden zeigt, dass zwar Angebote der Gesundheitsförderung etabliert sind, doch nur ein Drittel der Behörden handelt systematisch und zielorientiert. Richten wir den Blick dabei nur auf die Bundespolizei mit einem Personalkörper von ca. 40.000 Beschäftigten, existiert noch überhaupt kein systematischer Ansatz. Vereinzelt gibt es in Dienststellen Angebote. Dies erfolgt in Abhängigkeit des Engagements dort vorhandener Personen mit zum Teil privat erworbenen Qualifikationen in der Gesundheitsförderung. Eine Abstimmung oder ein Erfolgsabgleich, geschweige denn ein bundesweites Gesamtkonzept, gibt es nicht. Die Ende 2009 unterzeichnete Gemeinsame Initiative des BMI und des DGB zur Förderung des Gesundheitsmanagements in der Bundesverwaltung ist noch nicht einmal ansatzweise ausgewertet oder umgesetzt, obgleich es beispielsweise in den Ländern Niedersachsen und Rheinland-Pfalz insbesondere für die Situation der Polizei schon einschlägige Regelungen und Aktivitäten gibt. In der bundesweiten Organisation der Bundespolizei liegt die Ursache für ein weiteres eigenständiges Belastungsmerkmal für deren Beschäftigte. Die Menschen in der Bundespolizei durchleben seit 1992 eine nahezu permanente Neuausrichtung des dienstlichen Gefüges. Veränderte Aufgabenschwerpunkte und die europäische Entwicklung fordern räumliche Beweglichkeit. Die Folge sind sozial entwurzelte Menschen. Organisationspsychologie ist deshalb kein „Wellnessthema". Für die Bundespolizei gibt es einen wissenschaftlichen Befund aus einer Studie der Fachhochschule Magdeburg, die diese These belegt. Die Organisation mit der Folge einer Verdichtung der Arbeit macht krank. Wenn die Aussage „der Mensch ist unsere wertvollste Ressource" Folgen haben soll, muss hier angesetzt werden. An dieser Stelle muss deutlich ein Belastungsausgleich angemahnt werden. Führung in der Polizei wird seit den 90er Jahren mit wirtschaftlicher Betriebsführung verwechselt. Die geforderte Flexibilität in der gegenwärtigen Arbeitswelt wird in der Polizei über das angemessene Maß hinaus verlangt. Wir können nicht mit den Schultern zucken und so tun, als seien Belastungen und ihre Folgen Naturgewalten, die zu akzeptieren sind. Wir wollen keine Mitarbeiter, die ständig „umgetopft" werden und sich von ihrer Arbeit entfemden.

Quelle: Beamten-Magazin 02/2011

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