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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
lassen Sie uns einmal über Qualität reden. Mehr „Dienstleistungsqualität“ ist nämlich eines der vollmundigen Versprechen der Privatisierungsbefürworter. Mal Hand aufs Herz: Ist die Qualität privatisierter Dienstleistungen im Vergleich zu den ehemals öffentlich erbrachten wirklich besser geworden? Zugegeben: Wenn ich früher zur Post gegangen bin, geschah das selten ohne Wartezeiten vor dem Schalter. Und heute? Heute muss ich längere Strecken zurücklegen, um mich in die Warteschlange einzureihen. Dafür spricht mich die Mitarbeiterin der Deutschen Post AG freundlich – und manchmal mit einem fühlbaren Unbehagen – auf das neue Altersvorsorgeprodukt der Postbank an. Dafür freilich fehlt mir angesichts der
vorangeschrittenen Zeit die notwendige Aufmerksamkeit. Die Leistungen der Energieversorger schätzt die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland laut Forsa-Umfrage nach der Privatisierung schlechter ein als zuvor. Das hat viel mit der Preisentwicklung zu tun. Die Bemühungen des Staates, die Versorgungsmonopole, die er leichtfertig hat entstehen lassen, zu bürgerfreundlichem Verhalten und gemäßigten Preisen zu bewegen, sind fruchtlos geblieben. Das Handeln von Privatunternehmen lässt sich eben nicht auf Gemeinnützigkeit verpflichten. Wirklich dramatisch aber sind die Konsequenzen der
Privatisierung für die Beschäftigten. Beschäftigungsabbau und prekäre Beschäftigungsverhältnisse sollten Grund genug sein, das Für und Wider geplanter Privatisierungsvorhaben sorgfältiger als bisher abzuwägen.
Silke Raab
Referatsleiterin für Modernisierung
des öffentlichen Dienstes
Quelle: Beamten-Magazin 11/2008