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Bildung ist keine Ware
Privatisierung der Bildung verändert Arbeit und Lernen
Früher war es so, dass man Anreize für das Sparen gab, um Geld für notwendige Investitionen aufzutreiben. Im Zeitalter entfesselter Finanzmärkte ist das grundlegend anders. Tausende Milliarden Euro vagabundieren durch die Welt auf der Suche nach einer profitablen Anlageform. Aus Geld soll ständig mehr Geld werden – der Rest interessiert nicht. Kein Bereich wird verschont, nicht einmal die Studienfinanzierung.
Logik der Anbieter
Spekulanten haben dazu eigens einen Fonds errichtet (s. FAZ vom 11. Oktober 2007). Bei diesem erhoffen sich die Anleger, genügend finanzschwache Studentinnen und Studenten zu finden, die sich im Gegenzug zu ihrer Studienfinanzierung verpflichten, einen Anteil ihres künftigen Lohnes zurückzuzahlen. Logisch, dass die Anleger ihren Gewinn darin sehen, von den jungen Menschen erheblich mehr zurückzubekommen, als sie selbst vorgestreckt haben.
Die Suche nach Erkenntnis braucht Zeit
Für uns sollte klar sein: Bildung ist keine „Ware". Denn Privatisierung von Bildung ist nicht nur eine technische Veränderung im Bildungsmanagement. Sie verändert Erfahrungen von Menschen. Sie verändert die Bedeutung der jeweiligen Rolle der Lehrenden sowie der Heranwachsenden, ihrer Selbstwahrnehmung und der Wahrnehmung ihrer sozialen Beziehungen. Sie ist gerade nicht irgendein „Reformprozess". Die Privatisierung verwandelt vielmehr das Verständnis sozialer Beziehungen innerhalb der Gesellschaft. Das Verständnis von Lehren, Lernen
und Forschen wird der Logik von „Anbieter und Kunde" unterworfen. Die Suche nach Lösungen und Erkenntnis braucht Zeit und sperrt sich oft hartnäckig gegen eine betriebswirtschaftliche Effizienzermittlung. Zur Erziehung und Ausbildung gehören untrennbar auch Ethik, Moral und Wertebildung.
Privatisierung von Bildung verstärkt soziale Spaltung
Privatisierung der Bildung treibt die soziale Spaltung innerhalb einer Gesellschaft voran. Sie verändert die Arbeits- und Lernbedingungen innerhalb der Bildungseinrichtungen. Sie zerstört die Grundlagen unserer Gesellschaft,
weil sie Tor und Tür dafür öffnet, den Menschen auch noch die letzten sozialen Räume, in denen menschliche Beziehungen nicht durch die Brille eines profitablen Verkaufs betrachtet werden, zu versperren.
Ulrich Thöne
Vorsitzender der GEW
Quelle: Beamten-Magazin, Ausgabe 03/2008
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