Der lange Weg – Frauen im öffentlichen Dienst; Beamten-Magazin 03/2011


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Der lange Weg

Beamtinnenzölibat, Frauenförderpläne, Gleichstellungsgesetz

Frauen haben aufgeholt im öffentlichen Dienst. In Bundesbehörden sind sie gleich stark vertreten wie Männer – jedoch nicht in Leitungsfunktionen. Auch als Beamtinnen sind sie wissenschaftlichen Erhebungen zufolge seltener anzutreffen. Ein Rückblick anlässlich des 100. Jubiläums des Weltfrauentages zeigt: Der Zugang zum öffentlichen Dienst wurde ihnen bis weit ins 20. Jahrhundert hinein erschwert oder gar verwehrt.

Der Frauenanteil im Bundesdienst wächst. Laut zweitem Erfahrungsbericht der Bundesregierung zum Bundesgleichstellungsgesetz (s. auch Interview S. 16) stieg er in den Jahren 2004 bis 2009 von 47,6 auf 50,8 Prozent. Weibliche Beschäftigte sind auch in fast allen Laufbahngruppen gleich stark vertreten wie männliche – ausgenommen im höheren Dienst, wo mehrheitlich Leitungsfunktionen angesiedelt sind. „Frauen üben nach wie vor viel seltener Leitungsfunktionen aus und sind seltener verbeamtet", hält der Bericht fest. In Führungspositionen beträgt ihr Anteil 30 Prozent.

Historisch betrachtet hatten Frauen und Männer unterschiedliche Ausgangspositionen als Beschäftigte im Staatswesen. Fehlende Ausbildung und Qualifikation verwehrten Frauen die Berufstätigkeit, wie Elke Scheffelt in einer Analyse der Beschäftigungssituation von Frauen im öffentlichen Dienst aufzeigt (s. auch S. 18). Mädchen wurden in der Regel auf Familienaufgaben vorbereitet oder für wohltätige und soziale Dienste etwa der Krankenpflege ausgebildet, sofern sie nicht heirateten. „Frauen hatten keinen Zugang zu den Universitäten und hatten dadurch keine Möglichkeit, sich die für die Beamtenlaufbahn notwendigen juristischen Kenntnisse anzueignen", schreibt Scheffelt.

Keine Rechte, keine Anstellung

Zu den Beamtenpositionen hatten Frauen bis in die sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts grundsätzlich keinen Zugang, weil sie von den politischen Rechten ausgeschlossen waren. Es galt als Widerspruch, politisch Rechtlosen den Zugang zu Berufen mit Amtscharakter zu eröffnen. Häufig blieb ihnen nur eine Tätigkeit als Hauslehrerin oder an privaten Mädchenschulen. An staatlichen Schulen wurden sie nur in den unteren, schlecht bezahlten Positionen eingestellt – und auch erst unter dem Druck des Arbeitskräftemangels. „Die Lehrerbesoldungsgesetze legten für Lehrerinnen grundsätzlich ein niedrigeres Entgelt als für ihre männlichen Kollegen fest", zitiert Scheffelt. Aufstiegschancen gab es kaum. Quellen zufolge waren nur sieben Prozent der Schulleitungen weiblich, obwohl Frauen knapp ein Drittel der Lehrerschaft bildeten.

Nach dem Ersten Weltkrieg mussten beim Staat beschäftigte Frauen sogar ihren Arbeitsplatz für Männer räumen, die aus dem Krieg zurückgekehrt waren. Die Personalabbauverordnung von 1923 führte dazu, dass Lehrerinnen entlassen wurden, wenn sie einen Ehemann als Ernährer hatten. Bis 1977 konnte der Mann bestimmen, ob seine Frau berufstätig sein sollte.

Heirat führte zu Entlassung

Häufig fehlten auch Regelungen, die Frauen vor willkürlichen Entlassungen durch öffentliche Arbeitgeber schützten. Für Beamtinnen galt bis 1918 die Zölibatsklausel: Wenn sie heirateten, wurden sie entlassen. Entsprechend der Zölibatsklausel seien Frauen deshalb in der Mehrheit der in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vertretenen Länder vom höheren Dienst, insbesondere vom Beamtenverhältnis, ausgeschlossen worden, schreibt Scheffelt. „Das Problem bestand in Deutschland aber auch darin, dass Frauen aufgrund ihrer Betreuungs- und Erziehungspflichten nicht nach den althergebrachten Grundsätzen des Berufsbeamtentums ihrem Dienstherrn die volle Arbeitskraft als Lebens- und Hauptberuf zur Verfügung stellen konnten." Diese Restriktion bestand in vielen Ländern bis in die Mitte der 1950er Jahre hinein.

Die gezielte Förderung von Frauen im öffentlichen Dienst setzte in den 1980er Jahren ein. Im Bund und den Kommunen wurden Frauenförderpläne verabschiedet, Gleichstellungsstellen geschaffen und Frauenbeauftragte eingesetzt. Scheffelt spricht von einem Boom: nachdem 1980 die erste Gleichstellungsstelle in Hamburg eingerichtet worden war, seien bis Mitte 1988 zwischen 120 und 200 solcher Stellen auf Landes- und kommunaler Ebene entstanden. Frauenförderpläne sollen personalpolitische Entscheidungsmuster, die sich nachweisbar zum Nachteil von Frauen auswirken, aufbrechen. Grundlage für die besondere Förderung von Frauen in der Bundesverwaltung ist das Gesetz zur Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern, das 1994 in Kraft trat. Demnach müssen die Dienststellen des Bundes alle drei Jahre einen Frauenförderplan erstellen, der jährlich an aktuelle Entwicklungen angepasst wird. Einfluss auf die Beschäftigung von Frauen im öffentlichen Dienst haben auch familienfreundliche Arbeitsbedingungen. „Als Gründe für die stärkere Präsenz von Frauen werden immer wieder die besseren Möglichkeiten genannt, Familie und Beruf zu vereinbaren und Teilzeit zu arbeiten", stellt Scheffelt fest.

Quelle: Beamten-Magazin 03/2011

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